Dass sich etwas verändert im Profi-Golf, kann man mit bloßem Auge erkennen: Seit dem Ende des ersten Corona-Lockdowns hat Bryson DeChambeau Muskeln wie ein Türsteher – und steht damit symbolisch für eine Entwicklung, die den Regelhütern der Profigolfer offenbar ernsthaft Sorge bereitet.

DeChambeau hat mit seinem Krafttraining und den darauf folgenden sportlichen Erfolgen (u. a. ein Major-Sieg!) eine Entwicklung losgetreten: Immer mehr Profis legen sich eine größere Muskelmasse zu oder feilen an ihrer Schwungtechnik, um die Golfbälle noch weiter schlagen zu können. Das wird zu einem Problem, da die Golfplätze – logisch – nicht größer werden. Die Royal and Ancient (R&A) und die United States Golf Association (USGA), zuständig u. a. für die Golfregeln der PGA Tour und der European Tour, wollen der Jagd nach der maximalen Weite ein Ende bereiten (u. a. berichtete Spiegel online).

Die maximal erlaubte Länge der Golfschläger soll von vormals 1,22 Metern (48 Zoll) auf 1,17 Meter (46 Zoll) herabgesetzt werden. Klingt für Otto-Normal-Golfer nach wenig, wird für die Profis allerdings spürbare Auswirkungen haben. Der s. g. Peitscheneffekt fällt bei einem kürzeren Schaft geringer aus, die Schwungbahn wird kleiner, was beides zu einer geringeren Schlägerkopfgeschwindigkeit führt – und die ist der wichtigste Faktor für die Schlagweite beim Golf.

So hat sich übrigens die Schlagweite von DeChambeau entwickelt (im u. s. Post über den kleinen, grauen Pfeilbutton rechts-mittig der Grafik zwischen den beiden Grafikern hin und her switchen):

Kritik an den Plänen gibt es, wenig überraschend, aus Profi-Kreisen. Eine nachvollziehbares Argument bringt Altmeister Phil Mickelson, der bei kürzeren Schäften befürchtet, dass sich die Spieler einen “kürzeren, heftigeren” Golfschwung aneignen werden, der zu Verletzungen führen kann. Wie auch in vielen anderen Sportarten dürften die Profis wenig Rücksicht auf die eigene Gesundheit nehmen, wenn es um sportlichen Erfolg geht.

R&A und USGA halten dagegen, dass man das Für und Wider der Profis berücksichtigt habe, dass man aber dennoch der Meinung sei, dass die Pläne nur gut für den Profi-Betrieb seien. Konkreter wurde es leider nicht… 

Die Golfregeln für die Amateure sind von den Plänen übrigens nicht betroffen, was ich ja zwischendurch mal befürchtet hatte (“Machen uns die Golf-Profis die Plätze kaputt?”).

Hier nochmal das wahnsinns Video, in dem DeChambeau seinen Abschlag bei den Arnold Palmer Invitational in Bay Hill ganze 377 Yards (rd. 345 Meter) über einen See schlägt. Der Golfplatz-Designer hatte die Bahn eigentlich so angelegt, dass außen herum gespielt wird…

Golf Blog

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