Ein, zwei Stunden Vorbereitung und eine Runde auf einem anspruchsvollen 9-Loch-Platz – für die Garmin Approach S60, die zahlreiche Extra-Features an Bord hat, reicht dieses kaum aus. Dennoch: Der kleine Praxistest offenbart einige Pros und Contras des Oberklassen-Modells unter den Golfuhren.
Approach S60

Erster Eindruck der Garmin Approach S60

Nimmt man die Garmin Approach S60 erstmals in die Hand, fällt die beachtliche Größe auf: Die Uhr ist nicht gerade klein, dafür allerdings überraschend leicht. Trotz der wuchtigen Erscheinung vergisst man schnell, dass man ein Gerät am Handgelenk trägt – auch beim Golfschwung.

Approach S60Die drei seitlich angebrachten Druckknöpfe stören beim Golfspielen trotz der Größe nicht. Während ich mir mit einer normalen Armbanduhr schon mal schmerzhafte Druckstellen am Handgelenk zugezogen habe – die Krone der Uhr wird beim Abknicken des Handgelenks in den Handrücken gedrückt – gab es mit der Approach S60 keine Probleme.

Durch das geringe Gewicht muss man beim Drücken der drei seitlichen Knöpfe die Uhr allerdings gut im Griff haben. Die Druckpunkte waren bei dem Gerät, das mir zur Verfügung stand, nicht ganz leicht zu erreichen.

Das Farbdisplay macht einen guten Eindruck, ist allerdings bei direkter Sonneneinstrahlung nur mäßig gut ablesbar. Die Lünette ist bei der S60 nicht verstellbar, hat also keine Funktion.


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Funktionen und Akku-Leistung

40.000 vorinstallierte Golfplätze, eine gute Messgenauigkeit (nach meinem Empfinden), eine Akkulaufzeit von 10 Stunden unter Volllast (Bluetooth eingeschaltet und permanente Nutzung der Distanzmessung) – Garmin hat bei der Approach S60 die Hausaufgaben gemacht. Die wichtigsten Grundfunktionen sind durch ein gutes Setup und ausreichend Leistung anstandslos abrufbar.

Grundfunktionen

Die automatische Platzerkennung funktioniert prima. Eine manuelles “Nachhelfen” ist nicht notwendig. Die Uhr erkennt nicht nur korrekt den nächsten Abschlag, sondern auch, wenn der Spieler das Green erreicht hat. Die manuelle Eingabe des Scores wird umgehend angeboten (wenn man dieses zu Beginn der Runde ausgewählt hat) ohne dieses über Knopfdruck auslösen zu müssen.

Eine Liste mit allen verfügbaren Golfplätzen gibt es auf der Garmin-Website.

Approach S60Die Distanzanzeige klappt ebenfalls problemlos, allerdings sind sich die beiden Angaben “Gesamtdistanz der Spielbahn” und “Aktuelle Distanz bis zum Green” mehrfach in die Quere gekommen: Beide Werte wurden auf dem Display direkt übereinander angezeigt, so dass letztlich keine der beiden Zahlen richtig zu erkennen war.

Für die Bedienung des Touchscreens ist ein wenig Übung erforderlich. Bei der Auswahl eines Zielpunktes auf dem Fairway habe ich mich mehrfach verdrückt (s. Foto); die Rückkehr zur ursprünglichen Anzeige ist nicht ganz einfach.

Akku-Leistung

Eingeschaltet habe ich die voll aufgeladene Uhr am Vormittag, nach dem Mittagessen gab’s eine 9-Loch-Runde auf dem Golfplatz, am Abend hatte der Akku noch eine Kapazität von 75 Prozent. Die vom Hersteller angegebene Laufzeit von 10 Stunden Golfen bzw. von 10 Tagen im reinen Uhr-Modus (ohne stromfressendes GPS) scheinen realistisch.

Das Aufladen des Akkus am Computer dauert, wie zu erwarten war, recht lang. Das schnelle Aufladen über einen Netzstecker geht wiederum noch schneller als bei den meisten Smartphones.

Installation

Das Einrichten der Uhr selbst klappt prima: Nach dem ersten Einschalten werden ein paar grundlegende Dinge erfragt, weitere Basisdaten wie z. B. das Umstellen der Maßeinheit von Yards auf Meter muss man allerdings umständlich in den Tiefen der Menüs suchen.

Auf dem Golfplatz bzw. der Driving Range funktioniert die automatische Ortung des Golfplatzes ebenfalls problemlos. Der Platz wurde innerhalb von 60 Sekunden gefunden.

Wer die vielen Extra-Funktionen nutzen möchte, muss sich eine Smartphone-App herunterladen.

Messungen auf dem Golfplatz

Wenn keine bestimmte Vorauswahl getroffen wurde, zeigt die Uhr am Abschlag ein schematisiertes Fairway mit allen Hindernissen (Bunkern etc.) und der Gesamtdistanz an. Geht es aufs Fairway, wechselt die Uhr zur Anzeige von drei Entfernungen: die Distanz zur vorderen Green-Kante, zur Mitte des Greens und zur hinteren Green-Kante.

Ob es einen Höhenunterschied gibt, wird anhand eines Dreiecks oder eines Vierecks angezeigt. Zeigt das Dreieck nach unten, liegt das Green im Vergleich zum Abschlag tiefer, zeigt es nach oben, liegt das Green höher. Der Höhenunterschied muss bei der Wahl des Schlägers natürlich berücksichtigt werden.

Zusätzliche Golf-Funktionen

Neben der Distanzmessung und der automatischen Platzerkennung gibt es die Möglichkeit, sich persönliche Schwungstatistiken anzeigen zu lassen.

Es gibt eine ScoreCard-Funktion, die nach jeder gespielten Bahn die Möglichkeit gibt, die Schlaganzahl einzugeben. Am Ende der Runde hat man also eine komplett ausgefüllte Scorecard auf der Uhr.

Interessant ist die s. g. Autoshot-Spielaufzeichnung: Die Uhr erkennt einzelne Schläge automatisch und speichert die Daten. Gibt man vor einem Schlag ein, welchen Schläger man benutzen wird, speichert die Garmin Approach S60 die Distanz. Hat man nun zahlreiche Schläge mit verschiedenen Schlägern gespeichert, zeigt die Uhr auf Wunsch an, bei welcher Distanz man welchen Golfschläger wählen sollte.

Fazit zur Garmin Approach S60

Die Garmin Approach S60 ist eine wirklich gute Golfuhr, keine Frage. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte sich allerdings zwei Fragen stellen:

  • Benötige ich die zahlreichen Widgets und Zusatzfunktionen, die die Approach S60 von den anderen Golfuhren abhebt? Wenn dieses nicht der Fall ist, werden einige günstigere Modelle zu einer echten Alternative. Und:
  • Kann ich damit leben, dass die Menüführung sehr gewöhnungsbedürftig ist? Wer das Gerät nur ab und zu nutzt, muss sich womöglich jedes Mal auf’s Neue eingewöhnen.
©Garmin Deutschland GmbH

Die Garmin Approach S60 tut das, was sie soll: Sie misst Distanzen, bietet eine virtuelle Scorecard und speichert verschiedene Daten, die man später am Computer analysieren und archivieren kann. All dieses schaffen auch die günstigeren Garmin-Modelle und die Modelle der Konkurrenz. Wirklich interessant wird die Approach S60 erst, wenn es um die vielen Extras geht: Schunganalyse, Schläger-Vorschläge sowie die zahlreichen Widgets, die nichts mit dem Golfspiel zu tun habe – Fitnesstracker, Analyse für’s Lauf-, Radfahr- und auch Ruder-Training.

Die etwas unausgeklügelt wirkende Menüführung stört, gerade dann, wenn man bereits Erfahrungen mit den gut durchdachten Smartwatches von Apple und/oder Samsung gemacht hat. Die meisten Golfer werden ein Stündchen Vorbereitung und eine “Gewöhnungsrunde” auf dem Golfplatz benötigen, um mit den Grundfunktionen sicher vertraut zu sein. Hat man sich einmal orientiert, dürfte die Steuerung allerdings kein größeres Problem sein.

Apropos Smartwatches: Ein farbiges Display ist man mittlerweile gewohnt und sollte, wie ich meine, zum Standard gehören, auch bei Golfuhren. Hier hat die Garmin Approach S60 ein echtes Plus gegenüber den Mittelklasse-Modellen, bei denen es häufig nur schwarz-grauen Pixelsalat gibt.

Für wen ist die Garmin Approach S60 geeignet?

Wer ausschließlich Wert auf die Grundfunktionen legt – Distanzmessung, virtuelle Scorecard etc. – wird mit günstigeren Modellen sicherlich ebenfalls gut beraten sein. Wer zahlreichen Extra-Widgets zu schätzen weiß, dürfte die zusätzlichen 200 Euro, die im Vergleich zu den Mittelklasse-Modellen fällig sind, allerdings gerne investieren.

Das geringe Gewicht und die durchaus angenehme Haptik sorgen dafür, dass die Approach S60 auch im Alltag angenehm zu tragen ist. Die Funktionen wie z. B. Anzeige von SMS-Nachrichten und E-Mails des Handys sowie die Möglichkeit, das Anzeigen-Design zu verändern, kennt man von klassischen Smartwatches.

Technische Daten und aktuelle Preise gibt es hier.


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