Der Klub der armen Schweine

“Meine Frau hat einfach mehr Zeit als ich.” “Ein sauberer Golfschwung ist für mich nach der Knie-OP vor drei Jahren gerade nicht so wichtig.” “Die neue Technik, an der ich mit meinem Trainer arbeite, verhunzt mir im Augenblick die Runden-Ergebnisse.”

Man kann natürlich auch offen damit umgehen, wenn die eigene Frau besser spielt.

Der “Klub der armen Schweine” ist kein offizieller Klub, sondern ein loser Zusammenschluss von Golfern, deren Partnerinnen ein besseres Handicap haben. Gruppierungen dieser Art gibt es in Golfclubs von Friesland bis Oberbayern, mal organisiert, mal weniger organisiert, zum Teil sogar mit eigenen Wettkämpfen.

Die Frauen, die ihren Männern dieses Extra-Handicap eingebrockt haben, sind von den Treffen übrigens nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil.

Der Klub der armen Schweine

Die „armen Schweine“ haben es schwer, nehmen’s aber leicht.

Die selbst aufgestellten Regeln sind durchaus streng. Eine davon besagt, dass immer derjenige das Präsidentenamt inne hat, dessen Handicap am weitesten von dem der eigenen Frau entfernt ist. Wer wiederum sein Handicap verbessert und die Gattin überflügelt, muss den “Klub” verlassen.

Das Handicap der Frau als Makel für den Mann

Den Anfang soll es Ende der 90er Jahre auf Norderney gegeben haben, als der dortige Head-Pro einen Flight beobachtete, bei dem Damen und Herren die Abschläge tauschten. Die Damen begannen die Bahnen also auf dem Herrenabschlag, die Herren auf dem Damenabschlag. Dieses soll der Startschuss für den “Klub der armen Schweine” gewesen sein, aus dem die zahlreichen Ableger entstanden. Das vermeintliche Versagen der männlichen Golfer hatte nun einen Namen.

Klub der armen SchweineWährend sich einige der leidgeplagten Golfer einfach nur für ein paar nette Privat-Runden treffen, zum Teil ohne Wertung, wird bei anderen “Klubs” der “Arme-Schweine”-Status mit einem Wettkampf zelebriert, inklusive Siegerehrung.

Der Golfclub Leverkusen hat sich zum Beispiel ein eigenes Wertungssystem ausgedacht, nach dem die Herren gegen ihre überlegenen Damen antreten. Gespielt wird nach einer Teamwertung, in der die 10 besten Einzelergebnisse (nach Stableford-Punkten) in die Gesamtpunktzahl der Damen- und Herren-Mannschaften eingehen. Neben dem Teamwettbewerb haben die Leverkusener noch eine Einzelwertung, bei der das “Ärmste Schwein” ermittelt wird. Die Siegerehrung wird von Live-Musik begleitet. Ob die gespielten Songs eher hämischen oder eher aufbauenden Charakter haben, ist nicht überliefert.


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Der Golfclub Rhein-Wied hat sich wiederum eine Ausstattung für den Wettbewerb angeschafft, inklusive Riesen-Schwein. Die Geschmacksfrage stellt sich für den einen oder anderen spätestens dann, wenn im Clubhaus auch noch die Schweinskostüme ausgepackt werden.

Arme Schweine überall

Über 600.000 eingetragene Golfer gibt es derzeit in Deutschland, davon sind rund 40 Prozent Frauen. Wie viele der Golfer “arme Schweine” sind, kann man höchstens schätzen. Zumal ein Outing für einige Betroffene nicht ganz einfach zu sein scheint.

Über eine offizielle Turnierserie wird immer wieder mal nachgedacht, kam aber bislang nicht zustande. Am fehlenden Nachwuchs dürfte es jedenfalls nicht liegen.


PS: Der Autor dieser Zeilen muss hart kämpfen, um nicht zum Klub der armen Schweine zu gehören.


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